Die Westerwald-Querbahn
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Vor 100 Jahren, am 16. Juli 1907 fuhren die Züge auf der Westerwaldquerbahn durchgehend von Herborn bis nach Westerburg. Dafür war der grandiose Brückenbau im Jahre 1906 in Rekordzeit abgeschlossen worden. Bis heute ist die Westerburger Talbrücke neben dem Schloß, das Wahrzeichen von Westerburg geblieben. Weithin erkennbar. Leider fahren seit Jahren keine Züge mehr über die „Eiserne Lady“. Bei allen Planungen der Westerwald-Querbahn wurde schließlich Westerburg als Knotenpunkt an der Bahnstrecke Limburg - Altenkirchen gewählt. Marienberg erhielt ebenfalls einen Anschluß von Fehl-Ritzhausen her. Eröffnung ebenfalls am 16. Juli 1907. Diese Strecke wurde nach Erbach fortgesetzt, dafür war die Errichtung des damals größten Beton-Viaduktes über das Tal der Nister erforderlich, doch davon später. |
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Westerburg Im Februar 1906 begannen die Arbeiten an den Fundamenten für die Hülsbachtalbrücke. Die Eisenkonstruktion mit 225 m Länge, 35 m Höhe und 600 t Gewicht wurde von der Tillman’schen Eisenbau Actien-Gesellschaft Remscheid-Düsseldorf ausgeführt für die Königliche Eisenbahndirektion Frankfurt a.M. und im Dezember 1906 fertig gestellt. Zahlreiche Eisenbahnprojekte hatte es in dieser Region und in Nassau gegeben. Das Bedürfnis galt zunächst einer Nord/Süd Verbindung als Main-Lahn-Sieg-Eisenbahn in den Jahren 1852, 1864, 1868 (Denkschriften im Archiv) wie z. B. die Hessische Ludwigsbahn 1869 als Vollbahn, sah einen Talbahnhof in Westerburg vor. Projekte gab es in der Folgezeit mehrere. Nach Fertigstellung der Westerwaldbahnen (Limburg)-Staffel-Westerburg-Altenkirchen-Au und Engers-Siershahn-Altenkirchen nunmehr als Sekundär-bahnen (eingleisig) traten Interessenten mit möglichen Ost/West Verbindungen auf den Plan. Unter den vielen Projekten kam schließlich die Ww-Querbahn mit Ausgangspunkt Herborn zur Ausführung. Mit dem Spitzkehrenbahnhof in Erdbach erhielt der Westerwald eine einmalige Besonderheit. |
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Wie in vielen anderen Publikationen zu diesem Thema, lassen sich die Daten aus dem „Führer über die Linien des Bezirks der Reichsbahndirektion Frankfurt/M“ von 1926 verwenden. Eingleisige Nebenbahn, gebaut von der K.E.D. Frankfurt/M zufolge Gesetz vom 20.5.1898, eröffnet Herborn-Driedorf am 1.5.1906, Driedorf-Rennerod am 1.10.1906. Rennerod-Westerburg am 16.7.1907. Gesamtstrecke Herborn-Fehl-Westerburg 48,3 km Länge, Herborn 207,12m bis zur Wasserscheide zwischen Rehe und Rennerod 562,6 m, Fehl Ritzhausen 474,5m Westerburg 366,6m, größte Neigung 1:50. km 0,0 Herborn (Dillkr.) – km 1,53 Burg (Dillkr.) – km 4,29 Uckersdorf – km 5,59 Amdorf – km 8,27 Erdbach – km 11,62 Schönbach (Dillkr.) – km 14,23 Steinringsberg – km 17,02 Roth (Dillkr.) – 20,33 Driedorf (Dillkr.) – km 23,04 Mademühlen – km 26,79 Rehe – km 31,41 Rennerod – km 34,67 Niederroßbach-Neustadt – km 37,28 Fehl-Ritzhausen – km 40,16 Höhn (Westerwald) – km 45,59 Hergenroth (Westerwald) – km 48,3 Westerburg. Die Fortsetzung zum Rhein sollte an einem Bahnhof der Unterwesterwaldbahn einmünden. Mehrere Projekte standen auch hier zur Debatte. Über Meudt und Helferskirchen nach Siershahn mit Abzweig Meudt-Montabaur oder über Wallmerod-Meudt nach Montabaur. Letztere wurde schließlich per Gesetz am 6.6.1905 genehmigt und am 1.6.1910 eröffnet. Auf dieser Strecke waren keine großen Höhenunterschiede vorhanden. Westerburg 366,6 m, Montabaur 230 m. km 48,3 Westerburg – km 50,45 Sainscheid – km53,13 Kölbingen – km 55,76 Elbingen – km 58,38 Herschbach (Oberwesterwald) – km 60,13 Wallmerod – km 64,26 Meudt – km 67,10 Niederahr – km 68,82 Moschheim – km 70,69 Bannberscheid-Staudt – km 74,27 Montabaur. |
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Durch das Bildarchiv des Landschaftsmuseums in Hachenburg erhielt ich vom damaligen Museumsleiter Karl Kessler, u. a. einige interessante Negative vom Brückenbau der Westerburger Talbrücke und dem Nistertal-Viadukt. Zahlreiche Ansichtskarten der beiden Brücken und weitere Fotos von Brückenbauten im Westerwald befinden sich in meinem umfangreichen Bildarchiv, z. B. Viadukt bei Moschheim, Eisenbahnbau im Brexbachtal und Höhr-Hillscheid, Viadukte bei Goldhausen, Montabaur, Niedererbach, Brexbachtal. |
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Talbrücke Westerburg im Bau, nach Fertigstellung und Dampfsonderfahrt 1972 |
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Empfohlene Literatur von der Projektierung bis zur Betriebseinstellung. Diverse Beiträge in den Nassauische Annalen von Konrad Fuchs (1956 bis 1961), „Führer über die Linien des Bezirks der Reichsbahndirektion Frankfurt/M“ (1926), Bahnknoten Westerburg (1986), Ohmtalbahn Nr. 33 (1988), die Westerwaldquerbahn/ Hellmig/Hilpisch (1992), Eisenbahnen im Westerwald/Kandler (1992), Eisenbahnen im Westerwald/Merzhäuser/Wenzel (1996). |
Text: Ulrich Neumann